Österreichisches Freilichtmuseum

Bregenzerwälderhaus, Schwarzenberg (Vorarlberg)

Nummer: 79
Errichtet:  Mitte 1819
Übertragungsjahr: 1963

Bregenzerwaelderhaus-innenDas „Naglerhaus, wie der Hausname des aus Schwarzenberg, Loch Nr. 271, stammenden Objektes lautet, reicht mit seiner Geschichte ins 17. Jahrhundert zurück. Das Haus musste einem Straßenbau weichen und diente zur Zeit seiner Translozierung ins Freilichtmuseum im Jahre 1964 nur mehr als Wohnhaus; der landwirtschaftliche Betrieb war stillgelegt. Seiner Anlage nach ist das zweigeschossige „Wälderhaus ein Einhof mit einer Aneinanderreihung von Wohn- und Wirtschaftsteil in der Firstrichtung. Während Wohnteil und Stall in überkämmtem, gestrickten Blockbau gezimmert sind, wurde die Scheune in Riegelbauweise errichtet und mit einem senkrechten Brettermantel verschalt. Der Wohnteil ist ein Flurküchenhaus. Das bedeutet, dass der von Traufe zu Traufe durchgehende Flur des Hauses diente zugleich als Küche, die im Naglerhaus noch als Rauchküche erhalten ist. Giebelseitig liegen im Breitgiebelhaus Stube, Gaden und Kammer beisammen. Die an Wänden und Decke mit einem Feldergetäfel ausgestattete Stube bekundet mit ihrer gediegenen Einrichtung die hohe Wohnkultur des Wälderhauses, das zum Hort alemannischer Sauberkeit und Ordnung wurde. Unaufdringliche Würde und anmutige Schönheit teilt das Haus des Waldes mit der Frauentracht dieser Landschaft. Die Bäuerinnen des Bregenzerwaldes haben sich seit dem 19. Jahrhundert aufgrund der wirtschaftlichen Situation immer mehr der Handarbeit in Form von Sticken, Klöppeln u.ä. zugewandt und auch als HeimarbeiterInnen“ für die Textilindustrie gearbeitet. Ein besonderes Kennzeichen des Wohnhauses ist der sogenannte Schopf, wie man den in Riegelbauweise an der sonnigen Traufseite errichteten veranderartigen Vorbau nennt. Im Sommer stand dort ein Tisch, und die bäuerliche Familie fand sich im Schopf zum Essen und Beisammensein ein. Durch klappbare Läden kann der Raum im Winter gegen die rauhe Witterung abgeschlossen werden. Im Obergeschoß des Wohnteiles befinden sich Schlafräume. Der Wirtschaftsteil des Wälderhauses besteht aus einer durchgehend befahrbaren Tenne sowie Stall und Scheune mit den Heudielen, wo Wiesheu und„Grummet getrennt gelagert werden. Seit dem 18. Jahrhundert nahm im Bregenzerwald der Ackerbau immer stärker ab und wich schließlich gänzlich der Grünlandwirtschaft und der Viehzucht. Der Bauer verlor dadurch gewissermaßen den Pflug und übernahm die Arbeit im Stall und in der Almwirtschaft. Damit gewann die Bäuerin jene Zeit, die sie für die oben erwähnte Handarbeit benötigte. Das mittelsteile Pfettendach ist mit Scharschindeln in fünffacher Überdeckung gedeckt.
[Vgl. V.H. Pöttler, Das Bregenzerwälderhaus aus Schwarzenberg im Österreichischen Freilichtmuseum, (=Schriften und Führer Nr. 11), Stübing 1984.]